22.01.2013
Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt

 
Ausstellung im Museum Kunst und Gewerbe in Hamburg: 18. Dezember 2012 bis 31. März 2013
Pressemitteilung von savemynature.com

Nach der Neueinrichtung der Dauerausstellung Design richtet das MKG nun den Fokus auf die Folgen der Design- und Wegwerfgesellschaft, des Massenkonsums und der vermeintlich endlosen Verfügbarkeit der Dinge. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zeigt als erste Station die internationale Wanderausstellung „Endstation Meer?

Das Zentrum der Ausstellung bildet ein riesiger Berg aus Plastikmüll, der aus drei Weltmeeren zusammengetragen wurde. Ein großer Teil stammt von der beliebten Ostsee-Insel Fehmarn.

Die Hafenmetropole Hamburg, deren Hauptwirtschaftsfaktor der Seehandel ist, zeigt sich als Ausstellungsstandort prädestiniert. Die Ausstellung stellt die verbreitetesten Kunststoffe vor und beleuchtet Fragen zu Konsum, gesundheit- lichen Risiken für Mensch und Tier, zur Umweltverschmutzung, Mikroplastik, Materialkreisläufen und Biokunststoffen. Außerdem werden lokale und internationale Lösungsansätze im Sinn von Reduzieren, Umnutzen oder Wiederver- werten aufgezeigt.

Die Ausstellung bietet mit Filmen, Fotografien, Zeichnungen, Objekten, Installationen, Cartoons und Konsumartikeln Einblick in das Problem Plastik, klärt auf und will zum Nachdenken und Handeln anregen.

Begleitet wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Vermittlungsprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die renommierten Möbel- und Produktdesigner Florian Borkenhagen, Silvia Knüppel, Eva Marguerre und Marcel Besau zeigen in drei Workshops, wie man aus Fundstücken und Müll Designobjekte und wahre Kunstwerke herstellen kann.

In der „Plastikmüll-Debatte“, konzipiert in Zusammenarbeit mit der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz, diskutieren Wissenschaftler, Designer, Vertreter aus Industrie, Wirtschaft und Umweltschutz mit den Besuchern über das Thema Plastik und über die Möglichkeiten des bewussteren Handelns. Filme, Führungen, eine Kindertour und ein Kinderferienprogramm ergänzen das Programm.

Die Homepage www.plasticgarbageproject.org bietet weitere Informationen. Besucher und Interessierte können sich auf der dazugehörigen Facebook Fanseite mit eigenen Beiträgen in die Diskussion einbringen. Die Hamburger Station wird ermöglicht von der Lighthouse Foundation, Hamburg Wasser, der Stadtreinigung Hamburg und der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V.

Plastiktüte, Kinderspielzeug, PET-Flasche, Lebensmittelverpackungen ... Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat das Erdöl-basierte Material seinen Siegeszug durch die Konsumwelt angetreten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es ist preiswert, einfach in der Verarbeitung und nimmt fast jede gewünschte Eigenschaft an.

Heute werden weltweit pro Sekunde 8000 kg Kunststoffe hergestellt. Unser Alltag ist voll von Plastik. Was aber passiert mit einem Plastikprodukt nach dem Ende seines Lebenszyklus? Ein großer Teil dieser Produkte landet unkontrolliert in unserer Umwelt und schließlich in unseren Meeren und verwandelt diese schleichend in eine globale Plastiksuppe. Jedes Jahr gelangen mehr als 6,4 Millionen Tonnen Abfälle in die Ozeane. 80 Prozent dieser Abfälle stammen vom Land. Bereits heute gibt es keinen Quadratkilometer Meerwasser, der frei ist von Plastikteilen. Obwohl nur ein kleiner Teil davon an der Oberfläche treibt, bilden sich aufgrund der Meeresströmungen gigantische Plastikstrudel. Die derzeit umfangreichste dieser schwimmenden Inseln befindet sich im Pazifik und hat bereits die Größe von Mitteleuropa erreicht.

Da herkömmliches Plastik nicht biologisch abbaubar ist, wird es in immer kleinere Stücke aufgebrochen und gelangt schließlich sogar in die Nahrungskette. So findet der Mensch den Müll am Ende auf dem Teller wieder, mit gravierenden Konsequenzen für die Gesundheit.

1. Thema: Plastik im Meer

Eintauchen: Die fotografisch und zeichnerisch umgesetzte Animation von Tamara Aepli simuliert die Situation von Plastikobjekten im Wasser und führt vor, wie Plastik in den marinen Lebensraum eindringt, sich integriert und weshalb Plastik von Tieren mit Nahrung verwechselt wird.

Archäologie der Zukunft: Auch Jahrhunderte nach unserer Zeit finden sich Plastikobjekte von heute an Stränden oder im Meer. Als Zeugen unserer Zivilisation werden sie so langfristig zu archäologischen Objekten. Studierende der Vertiefung Scientific Visualization an der Zürcher Hochschule der Künste haben Schwemmgutobjekte aus Hawaii zeichnerisch untersucht, als wären es Funde aus der Bronze- oder Steinzeit. Die Darstellungen eröffnen einen faszinierenden Blick auf die an sich wertlosen Plastikabfälle.

Plastikmüllstrudel: In den Meeren existieren großräumige dreidimensionale Strömungssysteme, die durch die Erdrotation, Windbewegungen, Druck-, Temperatur- und Salzgehaltunterschiede sowie die Topografie des Meeres- grundes entstehen. Die sogenannten oberflächlichen Meeresströmungen, welche vor allem durch Windbewegungen gelenkt werden, führen in fünf Bereichen der Weltmeere zur Bildung von großen kreisförmig rotierenden Wasser- wirbeln. Die stillen Zonen innerhalb dieser Wirbel sind als »Garbage Patches« bekannt, weil sich dort besonders viele schwimmende Plastikobjekte konzentrieren. Einmal im Wirbel angelangt, dreht das Schwemmgut oft über Jahrzehnte seine Runden und zerfällt durch Reibung und Lichteinwirkung in immer kleinere Stücke.

Plastikmüll im Meer: Was passiert mit Plastikobjekten, die ins Wasser gelangen? Leichte Kunststoffstücke treiben an der Oberfläche und werden von den Strömungen über weite Strecken und große Zeiträume mitgetragen. Ein Teil davon wird an die Küsten gespült. Plastikarten, deren Dichte höher ist als diejenige von Meerwasser, sinken auf den Meeres- boden. Ein großer Teil des Kunststoffes wird aber auch von Tieren gefressen. Vom Problem des Plastikmülls im Meer sind nicht nur Anrainerstaaten betroffen, sondern auch Länder, die über keine Meeresküsten verfügen. Schätzungs- weise 80 Prozent des Abfalls gelangt über Flüsse vom Land ins Meer.

Auswirkungen auf die Tierwelt: Viele Tiere verwechseln Plastikstücke mit Nahrung. Vögel fressen PET-Flaschendeckel, Feuerzeuge sowie verschiedene Plastikbruchstücke. In Schildkrötenmägen von tot aufgefundenen Tieren wurden auffällig viele Überbleibsel von Plastiktüten gezählt. Je nach Form und Funktionsart der Speiseröhren und Mägen der Tiere können die unverdaulichen Stücke nicht mehr ausgeschieden werden, was zu Verhungern mit vollem Magen, Ersticken oder inneren Verletzungen führt. Eine wichtige Dokumentation dieses Phänomens ist Chris Jordans Arbeit Midway: Message from the Gyre. Planktonfressende Organismen nehmen mit ihrem natürlichen Futter auch Mikroplastik auf. Untersuchungen von Wasserproben aus dem nördlichen Pazifik ergaben, dass in der oberen Meerwasserschicht stellenweise 46mal mehr Plastik als Plankton vorkommt.

Mikroplastik: Wie sich die Aufnahme von Plastikteilen über die Nahrung auf die verschiedenen Stufen der Nahrungskette auswirkt, ist heute noch nicht absehbar. Da Kunststoffe zum Teil gefährliche Zusatzstoffe enthalten und sich gewisse Schadstoffe auf dem Plastik anreichern, werden weitreichende Folgen vermutet. Forschungen an Muscheln haben bereits gezeigt, dass Mikroplastikteile auch ins Gewebe von Filterorganismen aufgenommen werden können. In der Installation The Mermaid’s Tears kombiniert das Künstlerduo Richard und Judith Lang Großaufnahmen von Plastikpellets mit einem Sandtisch, auf dem die Situation von Mikroplastikstücken am Strand nachgestellt ist. So wird direkt erfahrbar, wie schwierig es ist, Sandkörner von Plastikstücken zu unterscheiden.

Polymeer: Die Bildergeschichte Polymeer von Alexandra Klobouk erzählt die apokalyptische Utopie eines über- schwemmten Europas im Jahr 2043. Da die Pole geschmolzen sind, steht Holland unter Wasser, und die Schweizer Berge werden zum letzten Zufluchtsort. Vor der Beengtheit des alpinen Refugiums rettet letztlich der Plastikmüll, der überall durch die Meere treibt: Mit einem riesigen Plastik- Magnet wird dieser an einer Stelle gesammelt, damit daraus eine bewohnbare Insel wird. Die Bildergeschichte bietet am Ende des Ausstellungsteils »Plastik im Meer« einen düster- vergnüglichen Ausblick in die Zukunft.

Plastikmüll in Nord- und Ostsee: Für die Hamburger Station wurde von der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz und dem NABU ein Regionalmodul zu Plastikmüll in Nord- und Ostsee entwickelt. Ein großer Anteil an Plastikmüll, der in Deutschland und anderen Anrainerstaaten der Nord- und Ostsee entsteht, gelangt in die Meere und sinkt auf den Meeresboden. Über Jahrzehnte hinweg sind so in der Nordsee bereits etwa 600.000 Kubikmeter Abfall zusammenge- kommen. Jährlich kommen 20.000 Tonnen dazu. Ähnlich alarmierende Zahlen gelten nach jüngsten Informationen auch für die Ostsee. Das Modul veranschaulicht, wie sehr die Belastung der Weltmeere allein diese Region betrifft. Sie stellt eine große Gefahr für Mensch und Tier dar, die durch Plastik gequält, vergiftet und getötet werden.

2. Thema: Plastik im Alltag

Materialkunde Kunststoffe: Es ist erstaunlich, wie sehr Kunststoffe unseren Alltag durchdringen – sie scheinen unver- meidbar zu sein. Die Beliebtheit von Plastik erklärt sich nicht nur durch seine tiefen Produktionskosten, sondern auch durch seine zahlreichen praktischen Eigenschaften wie geringes Gewicht, Säureresistenz oder Biegsamkeit. Darüber hinaus fördern Kunststoffe mit ihren flexiblen Eigenschaften technologische Innovationen und führen insbesondere in den Bereichen Medizin, Gebäudetechnik sowie in der Konstruktion von Flugzeugen und Automobilen zu neuartigen Lösungen. Genauso erstaunlich ist es aber, wie wenig wir oftmals über diese Materialien wissen. Dieser Ausstellungsteil gibt einen Überblick über die häufigsten Plastikarten und zeigt auf, wie man diese erkennt, wo sie zur Anwendung kommen, und welche giftigen Zusatzstoffe enthalten sein können. Achten Sie bei ihrem nächsten Einkauf auf Material und Recyclebarkeit der Produkte.

Plastik: Der schnelle Konsum: Die in den 1960er Jahren eingeführte Plastiktüte gilt als das Symbol der Konsumgesell- schaft. Weltweit werden pro Jahr ca. 600 Milliarden Plastiktüten hergestellt, das entspricht ca. 20.000 pro Sekunde. Dabei werden die Tüten oft nur einmal verwendet. Vor allem die dünnen Plastiksäcke stellen ein gravierendes ökolo- gisches Problem dar. In einigen Ländern wie Frankreich, Indien oder China sind Plastiktüten inzwischen generell oder in der leichten Version verboten. Gleiches gilt für Verpackungen und Take Away-Behälter, für die ca. ein Drittel des weltweit produzierten Plastiks eingesetzt wird. Dabei besteht ein starker Kontrast zwischen der Kurzlebigkeit des Pro- dukts und der Langlebigkeit der Verpackung von bis zu mehreren hundert Jahren. Viele Detailhändler und auch Fast Food-Ketten bemühen sich schon um umweltfreundlichere Alternativen, aber auch individuell lässt sich einiges tun.

Zusatzstoffe: Einige Arten und Anwendungen von Kunststoffen sind nicht nur für die Meere gefährlich, vielmehr birgt der tägliche Umgang mit Plastik Gefahren für unsere Gesundheit. Immer wieder wird über bedenkliche Zusatzstoffe diskutiert, insbesondere in Bezug auf bestimmte Weichmacher und Bisphenol A, die negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Dieser Ausstellungsteil vermittelt den aktuellen Stand der Diskussion und zeigt, welche Produkte man besser meidet und wie unbedenkliche Varianten gekennzeichnet sind.

Mikroplastikpartikel: Neuere Untersuchungen zeigen, dass Textilien aus Fleece oder anderen synthetischen Fasern bei jedem Waschgang bis zu 1900 Kunststofffasern verlieren. Gleiches gilt zum Beispiel auch für Peeling-Produkte, die oft Mikroplastikkügelchen aus Polyethylen enthalten. Diese Mikropartikel (kleiner als 5 mm) gelangen meist ungefiltert in die Meere, verschmutzen die Strände oder dringen mit Schadstoffen angereichert in die Nahrungskette ein. Produkte aus Naturmaterialien sind hier eine wichtige Alternative.

Materialkreisläufe Kunststoffe: Überproduktion und Überkonsum führen zu Unmengen von Abfall. Was aber, wenn dieser von Anfang an vermieden oder als neuer Rohstoff verstanden wird? Das Denken in Kreisläufen bietet ganzheit- liche Ansätze für Designer, Produzenten und Konsumenten. Gerade im Bereich von Kunststoffen, die auf wertvollem Erdöl basieren, können Materialkreisläufe auch ökonomische Anreize für Produzenten bieten. Neben Strategien des Recyclings werden drei solcher Ansätze vorgestellt: Die Ökobilanz, das Cradle to Cradle-Prinzip »von der Wiege zur Wiege« und Zero Waste – die Vision einer Zukunft ohne Abfall.

Biokunststoffe: Biokunststoffe bieten eine Alternative zu erdölbasierten und nicht abbaubaren Kunststoffen. Doch was genau bedeutet dieses „Bio“ und wo kommen Biokunststoffe im Alltag vor? Hier wird erklärt, was Biokunststoffe sind, welche Vor- und Nachteile sie haben, in welchen Produkten sie uns begegnen und wie damit Marketing betrieben wird.

 
 

23.08.2012
Großes Spezial auf savemynature.com zum Thema „Nachhaltig Reisen“

 
Vom 1. August bis 17. September widmet sich die Nachhaltigkeitsplattform savemynature.com dem Thema „Nachhaltig Reisen“ mit vielen Informationen und Tipps sowie einem Test „Welcher Reisetyp bin ich“, bei dem die Teilnehmer attraktive Preise gewinnen können – u.a. eine Reise nach Berlin.
 
 

18.07.2012
Oliver Adria, der Revolutionär aus Köln

 
Oliver Adria ist ein Aktivposten in puncto Nachhaltigkeit. Jemand, der Nachhaltigkeit organisiert, mediatisiert und lebt. Für uns ist das ein Anlass, über ihn zu berichten und darüber zu schreiben, was der Standort Köln sonst noch zu bieten hat. Wir wollen exemplarisch zeigen, wie man sich aktiv für Regeneration stark machen kann.
 
 

02.07.2012
ACHEMA 2012 im Rückblick: Bereit für die Energiewende

 
Erneuerbare Energien und mobile Applikationen sind angewiesen auf neue Speichertechnologien.
 
 

05.06.2012
Kaufst du noch oder tauschst du schon?

 
Neu im Trend: Tauschbörsen. Wer unbrauchbare Dinge loswerden will, kann nun im Internet einen neuen Besitzer finden und gleichzeitig eine längst überfällige Anschaffung ertauschen. Das beste daran ist, es werden Ressourcen geschont. Denn ein Buch lässt sich auch nach dem Gebrauch lesen, wie am ersten Tag.