24.04.2013
Nachhaltigkeits Rankings - Gründlich durchleuchtet?

 
Gesellschaftlich gewünscht, hinsichtlich unserer Ressourcen dringend benötigt und für unsere Zukunft unumgänglich: Die Rede ist von Nachhaltigkeit. Doch was genau ist Nachhaltigkeit und was hat das mit Unternehmensrankings zu tun? Ist dabei alles so „grün“ wie es scheint?
Text: Sandro Wucherer

Vor 21 Jahren trafen sich in Rio de Janeiro die Delegierten von über 170 Staaten, um auf den dringlichen Handlungsbedarf zur Sicherung der menschlichen Lebensgrundlage und die Erhaltung der Erde aufmerksam zu machen. Das Ergebnis war die bekannte „Agenda 21“. Nachhaltigkeit war von da an nicht mehr nur ein Wort, sondern wurde zu einer Lebensmentalität. Es kennzeichnet ein gesellschaftliches Umdenken.

Grundsätzlich beschreibt der Nachhaltigkeitsgedanke die Regulation des Wirtschaftssystems auf eine Weise, in der sich die natürliche Basis regenerieren kann. Es geht um die Sicherung des heutigen Lebensstandards über Generationen hinweg. Purer Egoismus und monetaristisches Denken sind hier fehl am Platz. Gesellschaftliches Miteinander und persönlicher Einsatz für ökologische Vertretbarkeit stehen im Vordergrund. Nichtsdestotrotz hat diese Denkweise nichts mehr mit dem „Öko-Gedanken“ der 70er Jahre gemein. Denn nicht etwa der Verzicht auf wirtschaftliche Aspekte werden hier verlangt, sondern die durchdachte Verbindung aus den drei Bereichen Soziales, Ökologie und Ökonomie. Das sogenannte „Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit“ stellt den Grundgedanken der Nachhaltigkeit dar und bietet die Grundlage für eine solide, moderne Unternehmensphilosophie.

Nachhaltigkeit entstand in seiner heutigen Form als Prozessablauf seit der Konferenz von Rio mit Hilfe der „Agenda 21“ und kennzeichnet eine Sicherung des Lebensstandards für lange Zeit durch Verbindung von Sozialem, Ökologie und Ökonomie.

Startpunkt der Nachhatigkeitsrankings

An dieser Stelle steigen die Ratingagenturen für nachhaltige Investments ein. Sie untersuchen Firmen hinsichtlich ökologischer und sozialer branchenspezifischer Kriterien. Anhand dessen erstellen sie ein Ranking der erfolgreichsten Ansätze.

Oekom Research“ stellt zum Beispiel eine der führenden Agenturen in Deutschland dar. Ihr Schwerpunkt zur Einstufung nachhaltiger Unternehmen liegt auf dem Auswerten von Unternehmensberichten. Verglichen werden die abgebildeten Umweltzahlen, Unternehmen werden ausführlich zur Strategie befragt und Informationen von Kartellämtern und Gewerkschaften beschafft. Anschließend folgt die Auswertung und das Gewichten der Ergebnisse. Wichtige Indikatoren sind auf der sozialen Seite beispielsweise die Kategorien Mitarbeiter und Zulieferer, wohingegen zur Einstufung auf ökologischer Seite Umweltmanagement oder Öko-Effizienz wichtig sind.

Die endgültige Einstufung erfolgt nach der Auswertung der Grundkategorien auf einer Skala von „sehr schlecht“ bis „exzellent“ und einer Endpunktezahl, welche im besten Falle 100 beträgt.

Vorsicht vor schwarzen Schafen!

Auch hier ist es wie überall auf der Welt: Ranking ist nicht gleich Ranking. Zu beachten ist beim Thema Nachhaltigkeit vor allem die Seriosität und Unabhängigkeit der Agenturen und ihre Bewertungskriterien. Handelt  es sich bei den Rankings um die schlichte Befragung der Unternehmen oder eine explizite Auswertung der Geschäftsdaten? Wurden Firmen verschiedener Tätigkeitsbereiche verglichen, die auf Grund ihrer Arbeit komplett diverse Ressourcenanforderungen haben?

Natürlich ist klar, dass ein Kunststoffproduzent mehr Abgase produziert als ein Dienstleistungsbetrieb im Büro. Darum gilt, dass man erst hinterfragen sollte, anstatt allem einfach zu vertrauen, das „Nachhaltigkeit“ im Namen trägt.

Das Erkennen seriöser Nachhaltigkeitsratings ist hierbei nicht immer leicht. Explizit gilt, wer nicht alles offen legt und nicht transparent ist, hat etwas zu verbergen. Deshalb lohnt es sich, im Zweifel einen zweiten Blick zu wagen und zu recherchieren, auf welche Weise die Kriterien abgefragt wurden, welche Zahlen dabei zu Rate gezogen und welche eventuell ignoriert wurden, um Unternehmen zu pushen.

Als weitere anerkannte Kenngröße gilt der „Dow Jones Sustainability Index“ (DJSI). Ein weiteres sehr renommiertes deutsches Ranking ist der „Deutsche Nachhaltigkeitspreis“, der Preise für Nachhaltigkeit auf Bundesebene vergibt. Auf internationaler Ebene kann man sich auf die bereits genannte „Oekom Research“ verlassen, die eine der weltweit führenden Agenturen dieser Branche ist und auf Unabhängigkeit, Qualität und Transparenz setzt. Besonderes ihre fundierten Analysen und Kooperationen beispielsweise mit Menschenrechtsorganisationen zeichnet sie aus.

Nachhaltigkeit - Ein Klotz am Bein der Firmen?

Die Frage ist, ob nachhaltiges Wirtschaften nicht viel teuer und aufwendiger als simples ökonomisches Denken und Handeln ist. Verringert es die Wirtschaftskraft der Firmen, wenn sie zusätzlich Geld für die Umwelt ausgeben? Nach Auffassung der kanadischen Analysefirma  „Corporate Knight“  („Das Unternehmen für sauberen Kapitalismus“) sind nachhaltig wirtschaftende Firmen wirtschaftlich deutlich erfolgreicher. Das von ihnen erstellte Ranking der 100 nachhaltigsten Konzerne der Welt, der „Global - 100 – Index“ stellt einen der gewinnträchtigsten und solidesten Aktien-Indizes dar. Unter diesen 100 Konzernen befinden sich auch 7 deutsche Firmen wie BMW und Adidas.

Und weshalb ist das so?

Nachhaltige Firmen setzen zum Beispiel auf ein entspanntes Arbeitsumfeld mit aktiven Arbeitspausen. Dadurch liegt beispielsweise die Krankheitsquote der Arbeitnehmer deutlich unter dem Durchschnitt. Die entsprechenden Ausfallzeiten kosten im Nachhinein meist mehr, als der regulierte Verzicht auf die zusätzliche aktive Arbeit erbringt, wenn auf Pausen verzichtet wird.

Ein gut durchdachtes Recyclingkonzept kann deutlich zur Kostensenkung beim Materialeinkauf auf den Primärmärkten beitragen. Damit sparen sich nachhaltig wirtschaftende Unternehmen bares Geld und leisten einen Beitrag zum schonenden Umgang mit Ressourcen. Daraus ziehen sie natürlich auch ökonomische Vorteile. Dies sind nur einige wenige Beispiele, wie nachhaltiges Wirtschaften die ökonomische Seite eines Konzerns verbessern kann und somit das Statement der „Corporate Knights“ zu untermauern ist.

Das bedeutet im Klartext : Nachhaltigkeit geht mit Ökonomie Hand in Hand, schützt unseren Planeten und verbessert sogar als Nebeneffekt das Image der Unternehmen.

Wenn das mal kein Grund für nachhaltiges Wirtschaften ist!

Quellen: