Zunächst möchten wir euch die gängigen Siegel einmal kurz vorstellen. Sie unterscheiden sich durch ihre Ernsthaftigkeit, von Aufschriften, wie „aus kontrolliertem Anbau“ oder „schonend hergestellt“, die oft nur Werbemaßnahmen sind.

Deutsche Landwirtschafts Gesellschaft (DLG)

Private Vereinigung mit ca. 12.000 Mitgliedern. Experten testen Geruch, Geschmack, Aussehen und Konsistenz von Nahrungsmitteln. Stichprobenartig auch Laboruntersuchungen. Gute Testergebnisse ermöglichen eine Zertifizierung.

EU Bio-Siegel

Seit 2010 Pflicht für alle, in der EU hergestellten verpackten Bioprodukte. Geltend nach der EG-Öko-Verordnung und damit gleichgesetzt mit dem deutschen Bio-Siegel. Es müssen Hinweise auf die Herkunft der Rohstoffe gegeben werden.

Deutsches Bio-Siegel

Über 60.000 Produkte sind mit dem Siegel zertifiziert. Es kennzeichnet Lebensmittel, die aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft stammen. Kriterien sind u.a. der Einsatz von homöopathischen Medikamenten und eigenproduziertem Futter für Tiere sowie der Verzicht auf Gentechnik, Pestizide, Stickstoffdünger, Wachstumsförderung.

Bioland

Bioland ist der größte Bio-Anbauverband Deutschland, mit dem besonderen Ziel das Bodenleben und damit gesundes Pflanzenwachstum zu fördern. Wie bei allen acht nationalen Anbauverbänden sind die Anforderungen an die ökologische Landwirtschaft strenger, als beim Deutschen Bio-Siegel. Dies betrifft v.a. Futtermittel, das Platzangebot für Tiere sowie Enzyme und natürliche Aromen. Insgesamt 60 % der dt. Biobauern sind Mitglied in einem der Anbauverbände.

Biokreis

Seit 1979, damals noch unter dem Namen „Biokreis Oberbayern“ bekannt fördert der Verband den ökologischen Anbau.

Biopark

Gegründet 1991 von 16 Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern. Inzwischen gehören dem Verband etwa 700 Mitglieder in ganz Deutschland an.

Demeter

1924 wurde diese besondere Art des ökologischen Anbau zum ersten Mal praktiziert. Demeter unterscheidet sich zu anderen Verbänden, durch die Ansicht, der Betrieb ist ein individueller, in sich geschlossener Organismus, der nicht nur materiellen, sondern auch immateriellen Einflüssen unterliegt. Dazu gehören auch kosmische Wirkungen des Mondes und der Planeten.

Gäa – ökologischer Landbau

Gäa hat ihren Ursprung in der kirchlichen Umweltbewegung der ehemaligen DDR. Die Bezeichnung Gäa steht für die Göttin der Erde. Um zertifiziert zu werden, ist eine zweijährige Umstellungszeit auf ökologische Landwirtschaft nötig. Staatliche Kommissionen kontrollieren die Betriebe einmal pro Jahr.

Naturland

Wie Demeter ist dieser Verband international tätig. Bei Naturland nimmt Nachhaltigkeit eine zentrale Stellung ein, bei der insbesondere der Verbraucher- und Klimaschutz eine Rolle spielen.

Neben diesen Siegeln gibt es weitere Zertifizierungen, die vertrauenswürdig sind. Darunter fallen Ecoland, ECO VIN, Verbund Ökohöfe, Neuland Fleisch, Marine Stewardship Council, IFOAM, TransFair, Gepa und BanaFair.

Auch die Bio-Siegel des Einzelhandels sind mittlerweile oft zu finden. Sie zertifizieren nach den EU-Richtlinien und teilweise nach strengeren Auflagen. Insgesamt acht Supermarktketten bieten inzwischen eigens deklarierte Bio-Lebensmittel an: REWE Füllhorn, PLUS BioBio, EDEKA Bio-Wertkost, ALDI-NORD GutBio, METRO Grünes Land, REFORMHAUS Biosiegel.

Zusammenhang: Siegel und Kaufentscheid

Eine Verhaltensstudie vom Marktforschungsinstitut TheConsumerView und des Beratungsunternehmens Edelmann untersuchte Zusammenhänge zwischen Nachhaltigkeit, Bio-Siegeln und dem Kaufentscheid von Bürgern. Insgesamt nahmen 404 Personen, meist Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren, mit Bezug zu nachhaltigem Konsum an der Studie teil.

Trotzdem sich der Großteil der Probanden gut mit dem Thema Nachhaltigkeit auskennt, fällt es den Verbrauchern vor dem Regal schwer, tatsächlich nachhaltige Produkte zu erkennen. Ein Grund dafür ist der beschriebene Siegel-Dschungel in den Supermärkten, der teils zu großer Verwirrung führt. Ursprünglich sollten genau diese Siegel als Entscheidungshilfe dienen! Nun stehen Konsumenten und Verbraucherschützer vor der Tatsache, dass nur manchen Siegeln vertraut wird.

Während Bioland, WWF, Ökotest und TransFair hohe Glaubwürdigkeit genießen – stehen das EU-Siegel und Demeter hinten an. Das führt dazu, dass sich 82 % der Befragten nun eine einheitliche Kennzeichnung wünschen. Das nur bei jedem 5. Kaufentscheid Nachhaltigkeit eine Rolle spielt, hat auch mit der mangelnden Transparenz der Betriebe zu tun. Viele Käufer sehen Informationen vom Unternehmen zur Herstellung der Produkte sogar als unglaubwürdig an. Im Endeffekt werden also eher die Artikel gekauft, die mit den bekannten Siegeln ausgezeichnet sind. Denn der Käufer will verstehen, inwieweit das nachhaltige Handeln eines Betriebes, durch den Kauf von Produkten unterstützt wird.

Dieser Artikel wurde verfasst von Elena Böck aus der Onlineredaktion von REGENERATION DEUTSCHLAND.

Verfasst am 15.05.2012 von Regeneration Deutschland

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